Kunst in München

Der Text enstand zum Katalog "erste Jahre der Professionalität" im Januar 2011

Johannes Karls Schaffen ist eine kunstimmanente Kritik, ein popartiger Bildersturm. Seine Arbeiten sind geprägt von Reproduktionen gefundener Dinge. Der Künstler verwendet dabei Bilder und Gegenstände aus dem klassischen Kunstbereich, wie auch aus der Alltagswelt und stellt sie in neue Konnotationszusammenhänge. So bildet er aus den traditionellen Elementen der Kunstgeschichte neue Formen. All seinen Werken liegt ein künstlerisches Spiel mit dem Zitat zu Grunde, das zum einen auf die Veränderungen des Kunstkommerzes aufmerksam macht, zum anderen aber auch eine Lust am ikonoklastischen Bruch mit den bürgerlichen Kunstreferenzen zeigt.
Johannes Karls Arbeiten sind bewusst in einer MTV-Ästhetik gehalten, die er aus der Hoch- und Popkultur destilliert. In seiner Videoarbeit »Tambosi« animiert der Künstler die Alten Meister der Alten Pinakothek zu einer Art Marionettentheater, welches sich zu einer von ihm speziell geschriebenen Musik bewegt und dabei an die reduzierte Ästhetik einer Animationsserie erinnert. In dem Video »it’s all so pretty« entwickelt sich aus einer Landschaftsmalerei von Otto Strützel ein visueller Rausch, der Zitate aus der Pop Art, Musikvideos und Computertechnologie aufgreift. Johannes Karl will dabei nicht überfordern oder den Pop-Kontext überhöhen. Er sucht vielmehr einen Zwischenmoment, in dem er die narrative Struktur seiner Videos mit einer malerischen Anordnung von Bildern zusammenbringen kann. Gleichzeitig spiegeln seine Arbeiten aber auch den popartigen Massencharakter von Kunst wieder, der Elemente aus Comics und Fernsehen integriert. Der Künstler nimmt die alltäglichen Dinge, die ihn umgeben – dazu gehört für ihn ebenso die zum »Pop« gewordene bürgerliche Kunstkultur – und führt sie in einen neuen Kunstraum. Johannes Karl sucht nicht das Schöne und Erhabene in der Kunst, wie etwa die von ihm zitierten Meister. Seine Arbeiten entlarven eine solche Betrachtungsweise geradezu. Der Künstler bricht so mit dem ehrfurchtsvollen Geist des klassischen, konservativen Kunstkanons und stellt dessen Berechtigung und Stellenwert in unserer Zeit zur Debatte. In der Arbeit »Der Lauf der Dinge 2011« zeigt er die Buchrücken von art-Heften, die zu mehreren Bildern zusammengeschraubt sind. Das Kunstmagazin art, so der Künstler »die Bild-Zeitung der Kunstwelt« , hat als solches den kleinsten gemeinsamen Nenner dessen was Kunst ist, reduziert auf eine bloße Aneinanderreihung von Namen und Begriffen. In Johannes Karls Arbeit, wird nicht das Magazin nur hinterfragt, es selbst wird zu einem Kunstwerk und zwar dergestalt, wie man es wohl kaum zwischen seinen Seiten finden würde. Eben: »Der Lauf der Dinge 2011«.


Anja Lückenkemper, Katalog „erste Jahre der Professionalität“, BBK 2011

 

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